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turnerschaft selb 1020112.10.2020 – Längst nagt der Zahn der Zeit an der über 90 Jahre alten Jahnturnhalle. Von der Sicherung des Bestands bis hin zur energetischen Sanierung begründet die Turnerschaft 1887 Selb einen Investitionsbedarf in Millionenhöhe. Um das Projekt „Sport-, Gesundheits- und Begegnungszentrum Jahnturnhalle“ stemmen zu können, bedarf es Mittel aus dem „Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten“. Dieser ist jedoch eng geschnürt.

Mit viel Engagement, Eigenleistung und Eigenkapital hat der mit rund 1.400 Mitgliedern größte Verein der Stadt in den vergangenen Jahren schon einiges in seine Heimstätte investiert. So wurden 2fach verglaste Fenster wie auch eine Erdgas-Brennwertheizung eingebaut, dazu auf LED-Beleuchtung umgerüstet. Seit dem Frühjahr diesen Jahres wurden im Haus umfangreiche Renovierungs- und Umbaumaßnahmen durchgeführt. Im „Kleinen Saal“ wurde dabei unter anderem ein neuer Sportboden verlegt. Die ehemalige Gaststätte wurde entkernt. Hier wird ein Fitnessstudio mit Spezialisierung auf medizinische Trainingstherapie entstehen.

Die TS Selb möchte aber noch viel mehr bewegen, sich modern und zukunftsfähig ausrichten. Die gesellschaftliche und soziale Verantwortung stehen neben dem breiten Sportangebot im Vordergrund. Ebenso der Ausbau der Möglichkeiten im Präventions- und Rehabilitationssport. Mit rund 1,6 Millionen Euro beziffern seitens der Vereinsverantwortlichen Werner Kraus und Tina Weiser die anfallenden Gesamtkosten, um zahlreiche geplante Maßnahmen in und rund um die altehrwürdige Sportstätte durchführen zu können. Die voraussichtlichen förderfähigen Kosten belaufen sich dabei auf 1,5 Millionen Euro. Diese sollen aus dem „Investitionspaket zur Förderung von Sportstätten“ kommen. Bayernweit stehen hieraus insgesamt 26 Millionen Euro als Fördermittel zur Verfügung, davon lediglich 4 Millionen Euro können im Regierungsbezirk Oberfranken ausgeschüttet werden. Deshalb hofft die Turnerschaft umso mehr auf die Unterstützung der hiesigen Politik. Sie soll sich stark für die Jahnturnhalle Selb machen. „Denn die Zeiten sind jetzt so günstig wie nie“, heißt es seitens der TS Selb, wohlwissend, dass man jetzt noch über das notwendige Eigenkapital verfüge, um zu investieren. In ein paar Jahren könnte dies schon ganz anders aussehen.

Erst Ende August wurde der genannte Investitionspakt veröffentlicht. Binnen kürzester Zeit erstellte die TS-Führungscrew ein detailliertes Konzept. Denn der Förderbedarf in Form einer Projektbeschreibung musste schon spätestens Anfang Oktober beantragt werden. Dies über die Stadt Selb als Antragstellerin. Der Stadtrat gab mit einem Grundsatzbeschluss bereits „Grünes Licht“, denn um die Interessensbekundung einreichen zu können, ist ein Auszug aus dem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) gefordert. „Das Ziel der ISEK-Fortschreibung ist es, unsere bestehenden Freizeitstätten zu sichern. Damit wollen wir das Angebot und die Qualität für die Bewohnerschaft stärken“, weist Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch zum einen auf den charakteristischen Bau der Jahnturnhalle, der ortsbildprägend sei. Zugleich sei dieser wichtiger Anlaufpunkt für Sport und Freizeit. „Da müssen aktuelle Anforderungen erfüllt werden, Erneuerungen und Modernisierungen sind dringend notwendig“, erkennt neben Pötzsch auch der Landtagsabgeordnete Martin Schöffel bei einem Rundgang durch die Sportstätte etliche zu beseitigende Missstände.

Zu machen gibt es einiges. Bei den baulichen Maßnahmen stehen die Trockenlegung und der Ausbau zur Bewegungsfläche einschließlich einer Sanierung der WCs an. Neben dem neuen Fitness-/Gesundheitsstudio im Erdgeschoss sollen barrierefreie Sanitärräume und Umkleideräume entstehen. Die ehemalige Empore möchte der Verein zu einem Ergometerbereich umbauen. Die Fassade muss genauso saniert werden, wie die Dacheindeckung erneuert, die Decke über der Halle gedämmt und der Hallenfußboden Sanierung werden muss – Punkte, die zugleich Maßnahmen zum Klimaschutz darstellen. Angepasst werden sollen unter anderem auch die Außenanlagen.

Abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll dazu das „Jahnheim“, bei dem eine Sanierung als unwirtschaftlich betrachtet wird. Ein erdgeschossig in Holzständerbauweise geplantes „Vereins- und Gemeinschaftshaus“ sieht vor, Räumlichkeiten für Versammlungen, Sitzungen und Abteilungstreffen zu haben, nachdem das Hauptgebäude gänzlich für den Sportbetrieb zur Verfügung steht. Doch auch bieten sich hier für dieses Quartier offenen Nutzungen wie für Senioren-, Eltern- und Jugendtreffs.

Die TS-Verantwortlichen sehen mit den geplanten Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur sozialen Integration aller Bevölkerungsgruppen und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das gerade im Hinblick auf den wachsenden Präventions- und Rehabilitationssport. Hier wird zugleich die anstehende Kooperation mit dem geplanten Neubau eines Seniorenheimes in unmittelbarer Nähe in Betracht gezogen. Im Gesundheitsbereich bestehe außerdem Kostenneutralität für die Nutzer, da diese entweder erstattungs- oder abrechnungsfähig über die Sozialversicherungsträger sind. Möglichkeiten der Ferienbetreuung für Kinder könnten ausgebaut werden. Und schließlich könnte man sich zur ambulanten Reha zertifizieren lassen, was die erste wohnortnahe Reha für die Bevölkerung im gesamten Landkreis bedeuten würde.

Angetan von den Ideen der Turnerschaft zeigt sich Martin Schöffel. „Das sind sehr wichtige Maßnahmen für die Zukunft des Vereins, der schon heute von jung bis alt in unterschiedlichsten Sportarten ein vielfältiges Angebot hat“, verweist er unter anderem auf die Kindersportschule (KiSS) als ein Aushängeschild in der Region. Daher gelte es, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Die Rahmenbedingungen haben der Verein und die Stadt Selb bereits geschaffen. Der Landkreis Wunsiedel sollte ebenso hinter dem vorgelegten Konzept stehen. „Mit einer gemeinsamen starken Stimme müssen wir die Entscheidungsträger bei der Regierung von Oberfranken überzeugen, dass hier in Selb die Fördermittel an der richtigen Stelle eingesetzt werden“, meint der CSU-Landtagsabgeordnete. Eine Entscheidung über die Mittelvergabe soll bereits in Kürze erfolgen, wie er in Erfahrung gebracht habe.

turnerschaft selb 10201selb-live.de – Michael Sporer

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